Schmerztherapie mit Virtual Reality


Überblick
Virtual Reality entwickelt sich zunehmend zu einer wirkungsvollen Ergänzung in der modernen Schmerztherapie. Während VR häufig mit Unterhaltung verbunden wird, zeigen aktuelle Studien, dass immersive virtuelle Welten Schmerzen, Stress und Angst während medizinischer Eingriffe deutlich reduzieren können.
Ein besonders interessantes Beispiel liefert eine Studie der Technischen Universität München (TUM) am Klinikum rechts der Isar.
VR während einer Portimplantation
Bei einer Portimplantation erhalten Patientinnen und Patienten einen venösen Zugang, der häufig für Chemotherapien oder andere langfristige Behandlungen benötigt wird. Der Eingriff erfolgt meist unter örtlicher Betäubung und kann mit Schmerzen, Stress und Angst verbunden sein.
Im Rahmen einer prospektiven Studie untersuchte die Technische Universität München den Einsatz von VR-Brillen während dieses Eingriffs. Die Patientinnen und Patienten wurden zufällig in zwei Gruppen eingeteilt.
Eine Gruppe erhielt die Standardbehandlung.
Die zweite Gruppe trug während der Portimplantation eine VR-Brille mit entspannenden virtuellen Inhalten.
Die Ergebnisse
Die Resultate waren beeindruckend.
Patientinnen und Patienten mit VR
benötigten signifikant weniger Lokalanästhetikum
berichteten über weniger Schmerzen
fühlten sich deutlich ruhiger und entspannter
bewerteten den gesamten Eingriff positiver
zeigten eine sehr hohe Akzeptanz gegenüber der VR-Technologie.
Besonders bemerkenswert war, dass die VR-Gruppe signifikant weniger Lokalanästhesie benötigte (p = 0,0025) und gleichzeitig eine geringere Schmerzwahrnehmung (p = 0,028) angab. Auch Entspannung, Ruhe und Zufriedenheit verbesserten sich signifikant.
Warum wirkt VR?
Virtual Reality lenkt das Gehirn nicht einfach nur ab.
Immersive virtuelle Umgebungen beanspruchen Aufmerksamkeit, Emotionen und Wahrnehmung gleichzeitig. Dadurch stehen dem Gehirn weniger Ressourcen für die Verarbeitung von Schmerzen zur Verfügung.
Zusätzlich sinken häufig Angst und Anspannung – zwei Faktoren, die das Schmerzempfinden nachweislich verstärken können.
Bedeutung für die Medizin
Die Ergebnisse der TUM zeigen eindrucksvoll, dass VR weit mehr ist als eine technische Innovation.
Virtual Reality kann medizinische Eingriffe für Patientinnen und Patienten angenehmer gestalten, den Bedarf an Schmerzmitteln reduzieren und gleichzeitig das gesamte Behandlungserlebnis verbessern.
Damit entwickelt sich VR zu einer wertvollen Ergänzung der modernen Schmerztherapie – sowohl im Krankenhaus als auch perspektivisch in vielen weiteren medizinischen Bereichen.
Fazit
Die Studie der Technischen Universität München zeigt, dass Virtual Reality das Potenzial besitzt, Schmerzen und Stress während medizinischer Eingriffe messbar zu reduzieren.
VR ersetzt dabei keine medizinische Behandlung, kann sie jedoch sinnvoll ergänzen und den Patientinnen und Patienten ein deutlich angenehmeres Behandlungserlebnis ermöglichen.
Quellen
Sargut, M., Novotny, A., Friess, H. & Kranzfelder, M. (2025). Virtual reality in surgery: minimizing stress and pain in patients undergoing minor-surgical procedures under local anesthesia—results of a feasibility study. International Journal of Computer Assisted Radiology and Surgery. https://doi.org/10.1007/s11548-024-03305-w
Sargut, M., Schorn, S., Novotny, A., Friess, H., Wilhelm, D., Berlet, M. & Kranzfelder, M. (2022). The effect of Virtual Reality (VR) on anxiety and pain in patients undergoing port implantation: Preliminary results of a feasibility study.Current Directions in Biomedical Engineering, 8(1), 97–100. https://doi.org/10.1515/cdbme-2022-0025
Levit, T. et al. (2025). The Effectiveness of Virtual and Augmented Reality in Surgical Pain Management: A Systematic Review of Randomized Controlled Trials. Anesthesia & Analgesia.


